Kinderstadt 2008
Kinder organisieren eine Stadt
In der Kinderstadt Osnabrück bewiesen 100 Bürgerinnen und Bürger, sowie täglich 20 junge 'Touristen' vom 22. bis 26. Juli 2008, dass sie in der Lage sind, ein Gemeinwesen zu organisieren. In 24 Betrieben wurde mit Eifer produziert, damit der Wirtschaftskreislauf der Kinderstadt in Schwung kam: das Popcorn und der Eistee mussten rechtzeitig für die Kino-Vorstellung fertig sein; die Druckerei-Mitarbeiter schwitzten, um die Aufträge der Werbe-Agentur abzuarbeiten und die Zeitung rechtzeitig ausliefern zu können; in der Tischlerei wurden die Wahlkabinen ebenso versiert und liebevoll hergestellt, wie Straßenschilder und die Warenkisten für den Supermarkt.
Natürlich verdienten die Kinder mit ihrer Arbeit auch Geld: Osna-Taler - denn eine eigene Stadt braucht auch eine eigene Währung! Damit konnten sie sich dann in der Wellness-Oase oder dem Restaurant verwöhnen lassen, sich Buttons oder Schmuck in der Kreativ-Werkstatt kaufen oder im Tourismus-Büro einen Ausflug bezahlen.
Jeden Nachmittag fand die Bürgerversammlung statt, in der die Kinder bestimmten, welche Regeln in ihrer Stadt gelten sollten. Am zweiten Tag fand die Bürgermeisterwahl statt. Auf Beschluss der Bürgerversammlung wurde nicht nur ein Oberbürgermeister und eine Bürgermeisterin, sondern auch ein Stadtrat gewählt. Aufgabe des Stadtrates war es dann, sich unter Leitung des Oberbürgermeisters um das 'Tagesgeschäft' zu kümmern: Streitigkeiten zwischen Bürgern zu schlichten, die Einhaltung der festgelegten Regeln zu überprüfen und gegebenenfalls auch durchzusetzen.
Der Oberbürgermeister berichtete dann der Bürgerversammlung, stellte sich der Diskussion und gab wichtige Fragen zur Entscheidung an die Bürgerversammlung weiter.
Ein Höhepunkt der Kinderstadt war der Empfang ihres "Oberbürgermeisters" und der Bürgermeisterin, sowie des Stadtrates durch die Bürgermeisterin der Stadt Osnabrück, Frau Jabs-Kiesler, im Friedenssaal des Rathauses. Sie wies unter anderem auch darauf hin, dass der Empfang der Kinderstadt-Delegation nun auch ganz offiziell im Empfangsbuch der Stadt Osnabrück notiert ist. Beeindruckend für die jungen Bürger war aber auch die abschließende Bürgerversammlung, die im Ratssitzungssaal 'der Großen' stattfand.
Aber auch ansonsten hatte die Kinderstadt neben 'dem ganz normalen Alltag' einer Stadt so einiges zu bieten. Sehr beliebt waren die Betriebsbesichtigungen in der 'Stadt der Großen': u.a. wurden eine Eisfabrik, eine Großbäckerei, eine Werbe-Agentur, der Piesberg, eine Bank und ein Kino besucht. Aber auch Freizeitausflüge konnten im Tourismus-Büro gebucht werden: ein besonderer Zoobesuch stand unter dem Motto 'Eine Reise nach Afrika', das Stellwerk wurde besucht, Spuren des mittelalterlichen Stadtlebens erforscht und vieles mehr.
Am letzten Tag öffnete die Kinderstadt beim Markttag auch für erwachsene Besucher ihre Pforten. Die Besucher wurden von den Bürgern durch ihre Stadt geführt und erhielten so einen kleinen Einblick, was die Kinder in den 5 Tagen geleistet hatten.
Dieses prozess- und ergebnisoffene Beteiligungsplanspiel bot den Kindern ein einzigartiges Lernfeld: Sie organisierten ein Gemeinwesen, legten verbindliche Regeln durch politische Prozesse fest, nahmen in den Betrieben Geld ein und zahlten Löhne und Materialkosten davon, verdienten selbst Geld und konnten es in der Kinderstadt ausgeben und erlernten mal so eben die Anforderungen ihrer Berufe 'on the job'; gleichzeitig waren sie die ganze Zeit mit Begeisterung und Eifer bei der Sache und nahmen ihre Bürgerverantwortung in diesem fast erwachsenenfreien Raum sehr ernst. Somit hat sich auch für das Kinder- und Jugendbüro die intensive Vorbereitung dieses Projektes über ein halbes Jahr zusammen mit dem Gemeinschaftszentrum Ziegenbrink und dem Haus der Jugend gelohnt!
Erkläre es mir
- und ich werde es vergessen.
Zeige es mir
- und ich werde mich erinnern.
Lass es mich selber tun
- und ich werde es verstehen.
Konfuzius