Hier bestimmen die Kinder!
Kinderstadt 2009 – ein Erfolgsprojekt der „Ich kann was!“-Initiative
Die Jury der 'Ich kann was'-Initiative wählte aus 600 eingesandten Projekten in diesem Jahr die Kinderstadt als förderungswürdig aus. Die Initiative der Telekom fördert und zeichnet Projekte aus, die vor allem den sogenannten 'Lückekindern' (9-14 Jahren) einen echten Kompetenzzuwachs vermitteln. Die Kinder sollen ihre Kompetenzen und individuellen Fähigkeiten entdecken und weiterentwickeln – und zwar möglichst spielerisch und lebensweltnah. Diese Anerkennung ist für uns das Sahnehäubchen auf den Erfolg, den die Kinderstadt auch in diesem Jahr wieder erlebt hat.
Die Kinderstadt ist ein Beteiligungsplanspiel, in dem 130 Kinder im Alter von 9 – 14 Jahren mit Hilfe von Prozesshelfern eine Stadt mit Betrieben, Dienstleistungen, Freizeit, Verwaltung und Politik organisieren. Die Kinder werden zu Bürgerinnen und Bürgern ihrer Stadt mit allen Rechten und Pflichten, melden sich im Bürgeramt und bekommen einen Bürgerpass. Die Kinder suchen sich über das Arbeitsamt eine Arbeit in einem „Betrieb“, wie z. B. Bank, Müllabfuhr, Fitness-Studio, Tourismusbüro usw. und verdienen dort „Osna-Taler“. Dieses Geld geben die Kinder in selbstorganisierten Freizeitbereichen, wie z. B. Kino, Disco, Restaurant, Fitness-Studio usw. aus. Dadurch wird ein Wirtschaftskreislauf simuliert. Jeden Nachmittag trifft sich die Bürgerversammlung als höchstes beschlussfassendes Gremium. Am 2. Tag werden ein Oberbürgermeister, sein Stellverteter und 6 weitere Stadträte gewählt. Dieses Beteiligungsplanspiel ermutigt Kinder zur aktiven Gestaltung gesellschaftlicher und politischer Prozesse. Im spielerischen Prozess erlernen sie so sozialpolitische Kompetenzen, durchschauen Produktions- und Aktionszusammenhänge und erleben, welche Auswirkungen ihr Handeln auf größere Zusammenhänge hat.
Die Mehrheit der Kinder hatte auch schon an der ersten Kinderstadt im letzten Jahr teilgenommen. Dies hatte zur Folge, dass der Prozess des Planspiels deutlich schneller in Gang kam. Die Kinder fanden sich problemloser in das Spiel ein, trauten sich im Vergleich zum Vorjahr mehr zu und die Neulinge erhielten vor allem über peer-learning Unterstützung. Besonders im politischen Prozess profitierten die Kinder von ihren Vorerfahrungen. Die Bürgerversammlung wurde bewusster wahrgenommen als Forum der Mitbestimmung und es wurden auch konkrete Erwartungen an den demokratischen Umgang diskutiert und gemeinsam formuliert. So löste beispielsweise die Notwendigkeit Steuern einzuführen, großen Unmut bei den BürgerInnen aus. Protestbewegungen bis hin zu Generalstreikaufrufe waren die Folge. Um diese brisante Situation zu entschärfen, ist der gesamte Stadtrat durch die ganze Kinderstadt gegangen, um jeder Bürgerin und jedem Bürger die Gründe für die Einführung der Steuern zu verdeutlichen - mit dem Erfolg, dass die Steuern von den BürgerInnen gezahlt wurden. Auch die abschließende Bürgerversammlung im Ratssitzungssaal des Osnabrücker Rathauses, auf der Anregungen und Verbesserungsvorschläge für die nächste Kinderstadt gemacht werden konnten, fiel deutlich kürzer aus, da alle wichtigen Themen bereits in den täglichen Bürgerversammlungen besprochen und entsprechende Änderungen bereits erfolgreich umgesetzt worden waren.
Aus pädagogischer Sicht haben sich unsere Erwartungen bezüglich der Lernprozesse und des vielseitigen Kompetenzerwerbs mehr als erfüllt. Bei vielen Kindern war deutlich eine persönliche Weiterentwicklung erkennbar, was sich in ihrem Handeln im Setting der Kinderstadt zeigte. Auch Eltern haben uns mehrfach bestätigt, dass ihre Kinder schon während der Kinderstadt erstaunlich selbständiger geworden sind.
Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden und Unterstützern der Kinderstadt, ohne die ein solcher Erfolg nicht möglich wäre!